Feuer und Eis - Weitfeldfoto von M45 (Plejaden) und NGC1499 (Kalifornien Nebel)

Feuer und Eis (14.11.2020)

Der Kalifornien-Nebel links und die Plejaden rechts sind ein himmlisches Paar. Wie Feuer und Eis stehen sie um diese Jahreszeit hoch über unseren Köpfen. Während man die Plejaden (M45), die auch "Siebengestirn" oder "Sieben Schwestern" genannt werden, in halbwegs dunklen Nächten und sogar aus einer Stadt heraus gut sehen kann, ist der Kalifornien Nebel (NGC1499) nicht nur für die Augen, sondern auch für Fernglas, Teleskop, Teleobjektiv oder Kameradisplay völlig unsichtbar.

Aufnahmedaten: Canon EOS 5D Mark 4 • Tamron 200mm@f/4.0 • ca. 3 Stunden Belichtungszeit (177x60s)
Die Kamera war nicht astromodifiziert, fotografiert wurde im Spektrum des sichtbaren Lichts.
Bildbearbeitung unter Linux: ASTAP + StarTools + Darktable

NGC1499 sieht aus wie der amerikanische Staat "Kalifornien" auf der Landkarte, daher sein Name "Kalifornien Nebel". Er befindet sich im Sternbild "Perseus" und leuchtet rosarot, weil diese Gaswolke aus ionisiertem Wasserstoff besteht: eine so genannte "H II Region".

Die "Plejaden" - auch "Sieben Schwester" genannt und Markensymbol des Autoherstellers "Subaru" - sind sehr heiße Sterne, deren blaues Licht die sie umgebenden Reflexionsnebel ebenfalls blau strahlen lässt.

In der weiteren Umgebung von M45 gibt es jede Menge galaktischen Staub, der hier grau, sandfarbig oder bräunlich erscheint. Nur oberhalb der Bildmitte gibt es ein richtig "schwarzes Loch" im Staub, weil dort kein Staub ist und der nachtschwarze Hintergrund sichtbar wird. Es handelt sich um gigantisch große Staubmassen, die - nach irdischen Maßstäben - unendlich weit weg sind.

Sie sind so groß, dass sich ihr Anblick innerhalb eines Menschenlebens und sogar über Generationen hinweg anscheinend nicht verändert.

Die Plejaden sind ungefähr 430 Lichtjahre von der Erde entfernt. Wollte man dort hin reisen, müsste man also 430 Jahre lang in jeder einzelnen Sekunde die unglaubliche Strecke von 300.000 Kilometern zurück legen (exakt sind es 299792,458 km/s). Auf die uns vertraute Größe Stundenkilometer umgerechnet wären das 1.080.000.000 km/h (1 Milliarde 80 Millionen Stundenkilometer) - und zwar andauernd - 430 volle Jahre lang!

Wir sehen also da oben das Licht, das die Plejaden vor 430 Jahren zu uns auf die Reise geschickt haben. Deswegen sprechen Astronomen auch immer vom "Blick in die Vergangenheit", wenn es um weit entfernte Objekte des Universums geht.

Ach übrigens: Mit 430 Lichtjahren gehören die Plejaden zu unserer "näheren Umgebung". Der rosarote Kalifornien-Nebel links im Bild ist bereits gut 3-mal so weit entfernt: knapp 1305 Lichtjahre. Da wird wohl in absehbarer Zeit niemand hin fliegen, um sich das mal aus der Nähe anzuschauen ...

Zur Aufnahme: Ein kleines Teleobjektiv mit nur 100 mm Brennweite (Kleinbild, Vollformat) bringt diese beiden Schönheiten gemeinsam aufs Bild. Damit die farbigen Nebel und die dunklen Staubwolken sichtbar werden, habe ich dieses Bild allerdings volle 3 Stunden lang belichtet. Nur so werden genug Photonen ("Lichtkrümel") vom Kamerasensor eingefangen, um sie abbilden zu können.

Frank Stefani

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