Kinderopfer für die Wirtschaft

Früher opferten Menschen ihre Kinder ihren Göttern.
Heute auch.
Es hat sich nichts verändert.

Frank Stefani

Die Götter von heute: Geld, Wohlstand, Status, Macht, Körperkult, Ich

Erziehung

Erziehung ausüben bedeutet: Du bist nicht so, wie ich dich gerne hätte, deshalb bringe ich dich jetzt durch Belohnungen und Strafen dazu, so zu werden, wie du meiner Meinung nach sein solltest.

Du bist nämlich nur dann gut, wenn du so bist, wie ich dich haben will. Widerstand zwecklos.

Erzieher(innen) sollen genau das tun: Kinder "ziehen". Weg von dem Ort, an dem sie sich befinden, hin zu einem Ort, der ihnen von Fremden aufgezwungen wird.

Erzieher sollen Kinder "gesellschaftsfähig" machen, sie auf das Leben vorbereiten. Wenn man sich unsere, vom Kapitalismus - dem Glauben ans Geld - geprägte Gesellschaft und ihre Menschen anschaut, erscheinen deren Ziele und Werte allerdings nicht als nachahmenswert:

"Wer nicht bekommt, was er will, nimmt sich eben das, was er kriegen kann."

Anders gesagt: "Wer glücklich ist, kauft nicht." ... frei nach: Prof. Dr. Gerald Hüther

Frank Stefani

Ein Garten für Kinder

Kindergärtner(innen) sind schon von der Bedeutung ihrer Berufsbezeichnung her viel sympathischer als Erzieher(innen). Zumindest, wenn sie das leben, was der Bedeutung dieses Wortes entspricht: Sie bieten einen "Garten" an und bereiten den "Boden" vor, damit Kinder selbständig und eigenartig – also auf ihre eigene Art und Weise – dazu in ihrem eigenen Tempo und nach ihren ganz unterschiedlichen Bedürfnissen und Möglichkeiten, die Welt erkunden und entdecken können.

Kinder brauchen "Gärten", keine Lehrpläne, keine Gutachten und keine Statistiken. Der junge Geist braucht Angebote, allenfalls Impulse und kleine Hinweise, vielleicht hier und da etwas Unterstützung.

Ihre Neugier, ihr Interesse muss gefördert, Schönheit und Vielfalt muss erlebt werden.

Nach dem Kindergarten, sollte der "Schulgarten" die logische Fortsetzung sein, um Kinder maximal zu fördern, ihre individuellen Neigungen und Gaben zu fördern, ihr Interesse lebendig zu halten.

Statisches Wissen vermitteln, wie es die deutschen Lehrpläne bis heute tun, ist ein völlig überholter Anachronismus. Statisches Wissen kann man jederzeit abfragen, heute leichter denn je.

Frank Stefani

Zeit und Raum für Neues

Wir brauchen in Zukunft keine Leute, die stumpf auswendig gelerntes Wissen rezitieren können. Wir brauchen keine Angepassten, die einen Filter im Kopf haben, der ihnen bestimmte Dinge zu denken und zu sagen erlaubt und andere nicht.

Solche Menschen sind und werden als Objekt der Bewertung anderer ständig frustriert, entmutigt, gewaltsam angepasst. Im schlimmsten Falle, werten sie sich selber ab, verleugnen und verletzen sich selbst - die anderen müssen ja Recht haben.

Wer heute Abitur macht, zeigt damit, dass der eigene Geist flexibel genug ist, sich an die Bedürfnisse und Forderungen anderer anzupassen.

Abgesehen von den wenigen, die in einem Fachgebiet tatsächlich Begeisterung und Berufung entdecken, stellt die weit überwiegende Zahl der Absolventen schon nach wenigen Jahren den Verlust oder die Entbehrlichkeit der meisten Lerninhalte fest, die sie sich jahrelang notgedrungen und unter ständiger Bewertung einverleibt haben.

Wenn jemand sein Abitur mit 1,0 macht, heißt das doch lediglich, dass derjenige die vom Kultusministerium vorgeschriebenen Lerninhalte reproduzieren kann und sie wohl auch verstanden hat. Prädestiniert diese Zahl denjenigen aber automatisch für ein Medizinstudium?

Jemand mit einem 1,0 Abitur, bekommt sicherlich einen Studienplatz in Medizin. Jemand, der Medizin studieren will, weil er eine große Vision hat, weil er den Ärmsten auf der ganzen Welt helfen will, auch in Krisengebieten, darf nicht Medizin studieren, wenn sein Notendurchschnitt nicht dem numerus clausus entspricht.

Es interessiert nicht, dass diese Person schon viele Jahre lang freiwillig und ehrenamtlich im Sanitätsdienst, bei der freiwilligen Feuerwehr, der Wasserwacht oder Bergrettung mitarbeitet. Es interessiert nicht, dass diese Person schon lange Empathie und Einsatz für andere Menschen beweist.

Diese Person hat halt leider nur eine 3 in Mathematik und eine 4 in Physik. Ein Medizinstudium ist deshalb - theoretisch - nur nach erheblicher Wartezeit möglich.

Warum muss (fast) jeder mit einem 1,0 Abitur Medizin studieren? Könnte es nicht sein, dass einige solcher Mensch viel lieber und viel entspannter in sozialen Berufen oder in einem Handwerksberuf arbeiten würden?

Wir gewöhnen uns zwangsweise daran, ständig und überall bewertet zu werden und - was eine schlimme Folge davon ist - wir übernehmen diese Fremdbewertung als Maßstab für unseren Selbstwert.

Querdenker sind nötig - ermutigte, bestärkte, frische Geister, die ohne Denkverbote eigene Überlegungen anstellen, um die Herausforderungen dieser Welt zu anzupacken.

Frank Stefani

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