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Klicken: Die übergeordnete Ebene aufrufen Toleranz

Worterklärung:

Das Substantiv Toleranz kommt nicht von "toll finden",
sondern vom lateinischen Wort "tolerantia" und bedeutet "Duldsamkeit".

Das Verb "tolerare" ist von Toleranz abgeleitet
und bedeutet "erdulden" oder "ertragen".

Klicken: Zum Seitenanfang Toleranz fordern - Erkenntnis #360

Toleranz fordern ist intolerant.

oder: Wer Toleranz fordert, ist intolerant.
oder: Man kann Toleranz nicht fordern, sondern nur vorleben.

Warum?

Wer von anderen Toleranz fordert, beansprucht damit gleichzeitig,
selbst den richtigen, vernünftigen oder wahren Standpunkt zu haben.

Wer von anderen Toleranz fordert, verlagert die Veranwortung, etwas zu ändern,
auf den anderen, während er selbst in Passivität verharrt. Gleichzeitig fühlt sich
der Fordernde ungerechtfertigter Weise stärker oder besser, allein deshalb,
weil er eine Forderung geäußert hat.

Nur der (vermeintlich) Starke kann fordern. Eine Forderung ist keine höfliche Bitte.

Durch die Forderung von Toleranz wird der Fokus auf den Anderen gelegt, von dem
nun die Erfüllung der Forderung erwartet wird. Der Andere gerät dadurch in Zugzwang
und wird mit jeder beliebigen nachfolgenden Äußerung zum "Verlierer":
• "Okay, sehe ich ein! Ich werde mich ändern!" >> Zustimmung (aber verloren!)
• "So habe ich das nicht gemeint, ... !"  >> Rechtfertigung (automatisch verloren!)
• "Schau dir mal den und den an ...!"  >> Ablenkung (verloren!)
Um der Forderung nach Toleranz etwas entgegen zu halten, gibt es keinen eleganten Weg. Man kann allenfalls "Ich sehe das anders!" sagen und es dabei belassen. Damit wird die Diskussion ohne Zu- oder Eingeständnisse beendet und es bleibt beim Patt. - Frank Stefani

Klicken: Zum Seitenanfang Toleranz ist keine Lösung - Erkenntnis #351

Toleranz ist keine Lösung.
Toleranz ist kein Problem.

Warum?

Toleranz ist eine Zustandsbeschreibung.

Tolerante ertragen oder erdulden etwas,
das ihnen anders lieber wäre.

Toleranz ist keine Zustimmung.
Toleranz ist kein Konsens.

Toleranz ist ein Stillhalteabkommen darüber,
dass es derzeit keine Einigkeit über Ansichten gibt.

Toleranz ist nicht Akzeptanz.

Tolerierte wollen lieber Akzeptanz als Toleranz.

Tolerierte müssen ertragen (sic!),
dass die Toleranz des Tolerierenden Grenzen hat.

Es ist der Toleranz eigen, dass sie begrenzt ist,
sonst wäre es Akzeptanz.

- Frank Stefani

Klicken: Zum Seitenanfang Toleranz - Beliebte Worthülse der Postmoderne

Wie eingangs erwähnt, bedeutet das lateinische Verb tolerare "dulden" oder "ertragen".
Das Substantiv Toleranz bedeutet demnach "Duldsamkeit".

Es ist natürlich bequem, ein wohl definiertes Substantiv postmodern
derart beliebig zu nutzen, dass es zum nichtssagenden Gummiwort verkommt -
zu einer Worthülse, die zu benutzen völlig entbehrlich ist.

Die deutsche Sprache ist die vielleicht ausdrucksreichste Sprache überhaupt,
in der Vergangenheit als reiches Ausdrucksmittel der "Dichter und Denker" gelobt.

Nachdem die "Dichter und Denker" inzwischen weitgehend ausgestorben sind,
wird nun übertrieben fleißig nach Fremdwörtern gesucht, deren Bedeutung wir zwar nicht verstehen,
deren Klang aber den Anschein bildungssprachlicher Schönheit hat, um sie anschließend,
mit möglichst dehnbaren "Bedeutungen" belegt, in die eigene Sprache zu re-importieren.

Liefert das lateinische Verb "tolerare" eine substanziell andere Kernaussage,
als die deutschen Worte "dulden" oder "ertragen" schon immer hatten?

"Duldsamkeit" ist eine schlanke und präzise Beschreibung für den Prozess,
sich im Aushalten, im Ertragen, im Dulden anders Denkender zu üben.
Es geht darum, den anders Denkenden respektvoll zu ertragen, seine andere
Meinung auszuhalten. Es geht nicht darum, den anders Denkenden zu demütigen
oder geringzuschätzen, weil er die Dinge anders sieht.

Duldsamkeit (Toleranz) ist die Entscheidung:

     "Ich will ertragen und aushalten, dass du das anders siehst!"

Duldsamkeit erlaubt dem Anderen, seine eigene Weltsicht zu haben.
Duldsamkeit respektiert, was anderen wertvoll und wichtig ist -
gerade dann, wenn diese Werte den eigenen Werten zuwider sind.

Duldsamkeit ist nicht das Aufgeben eigener Überzeugungen oder das Aushandeln
von Kompromissen um des lieben Friedens willen. Es geht nicht um Recht haben,
um die besseren Argumente oder darum, den anderen zu überzeugen.

Es geht um stehen lassen, um die Erlaubnis "so zu sein", "so zu denken".

Das muss man selbst nicht gut finden ... genau das ist gelebte Duldsamkeit (Toleranz).

NB:
Postmodern und der Beliebigkeit des Pluralismus gemäß wird Toleranz zunehmend umgedeutet
und mit einer Vielzahl an Bedeutungen vermischt, die eher verwässern als präzisieren,
beispielsweise:

     Aufgeklärtheit, Aufgeschlossenheit, Duldsamkeit, Entgegenkommen, Freizügigkeit,
     Großmut, Großmütigkeit, Liberalität, Menschlichkeit, Nachsicht, Offenheit,
     Verständnis, Vorurteilsfreiheit, Vorurteilslosigkeit

(Quelle: duden.de)

Dadurch wird der Begriff Toleranz zu einer leeren Worthülse, die letztendlich
alles oder nichts beschreibt und deshalb entbehrlich ist.

- Frank Stefani

Siehe auch: Weitere Texte
 
graukeil

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