Transparenz

      Herbstnächte um Neumond, noch dazu wenn die Luft Dank eines kräftigen
      Hochdruckgebiet, trocken und klar ist, sind beste Voraussetzungen für
      astronomische Beobachtungen und Astrofotografie. Als "Transparenz"
      bezeichnet man das Maß der Durchsichtigkeit des Nachthimmels, also -
      vereinfacht gesagt - wie dunkel der Himmel im Kontrast zu den Sternen
      erscheint. Während der vergangenen Tagen hatten wir hier in den Alpen
      ausgezeichnete Transparenz und somit tolle Beobachtungsbedingungen.
      
bild
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      Warum gerade dieses Bild?
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      Die Plejaden, auch "Sieben Schwestern" oder "Siebengestirn" genannt
      und in astronomischen Katalogen als "M45" bezeichnet, kann man im
      Winterhalbjahr sehr oft mit bloßen Augen erkennen. Sie sind ein helles,
      feines Schatzkästchen und bereits der Blick mit einem kleinen Fernglas
      zeigt viel von dieser Pracht. Warum ich hier also ein offensichtlich
      unspektakuläres Bild zeige? Der Grund liegt in den feinen Nebeln, die
      die Sterngruppe umgeben. Es sind Gasnebel, die sehr schwach leuchten.
      
      Ich hatte die große Freude, in einer der letzten Nächte diese Gasnebel
      mit eigenen Augen zu sehen - so gut war die Transparenz des Himmels!
      Normalerweise werden die Nebel nur auf langbelichteten Astrofotos
      sichtbar, deshalb war ich total begeistert. Die Nebel sehen wie feine
      Schleierwolken aus und werden von den Sternen der Plejaden beleuchtet.
      
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      Subaru - Ein chrom'nes Allrad-Sternbild
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      Wer kennt sie nicht, die kleinen Allrad-Japaner? Auf ihrer Kühlerhaube
      prangt ein chrom'nes Sternenbild, das im Lande der aufgehenden Sonne
      "Subaru" heißt. In Mitteleuropa kennen wir diesen Asterismus unter dem
      Namen "Siebengestirn" oder "Plejaden". Charles Messier hat dieses
      schöne Fernglasobjekt, das zur Zeit vor Mitternacht hoch am Himmel
      steht, in dem nach ihm benannten Katalog unter der Nummer 45 verzeichnet.
      
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      Kein Kleinwagen
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      Eine interessante Verwechslungsgeschichte hält sich hartnäckig: Oft
      werden die Plejaden für das Sternbild "Kleiner Wagen" gehalten, das
      allerdings an ganz andere Stelle zu finden ist: Es beginnt mit dem
      Polarstern und ist wesentlich ausgedehnter und lichtschwächer.
      
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      Die Töchter des Atlas
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      "M45" (Messier 45) wird auch die "sieben Schwestern" genannt und somit
      haben wir hier eine kleine Sterngruppe, die durch ihre Helligkeit und
      Schönheit offensichtlich schon viele Himmelsgucker zum Nachdenken
      angeregt hat. Im Falle der erwähnten Schwestern handelt es sich um
      die Töchter des Titanen Atlas, der bekanntlich das Himmelgewölbe auf
      seinen Schultern trug und dennoch in der Lage war, diese Töchter zu
      zeugen - ich glaube nicht, dass er zwischendurch loslassen konnte ;-)
      
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      Prachtobjekt für's Fernglas
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      In die Plejaden sind einige schöne Gasnebel eingebettet, die von den
      Sternen beleuchtet werden. Bei sehr dunklem Himmel - wie ich ihn
      kürzlich auf La Palma / Kanarische Inseln erlebte, kann man mindestens
      zwei Nebel bereits im kleineren Fernglas erkennen. Um schwache Strukturen
      sichtbar werden zu lassen, braucht es aber eine Langzeitaufnahme mit
      einer Nachführung, die die Erdrotation ausgleicht.
      
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      Aufnahmedaten
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      Canon EOS 1Ds Mark II
      Canon EF USM L 1:2,8/70-200 mm
      Brennweite 200 mm
      Zeit 220 sek
      Blende 2,8
      ISO 1600
      
      Kamera war huckepack auf ein C8 mit GP-Nachführung geschraubt
      
      Frank Stefani im Oktober 2005